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ALEXANDRA FOOTAGE
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Advent Calendar – December 23

– English Translation below –

HOME SWEET HOME
Eine weihnachtliche Gipsgeschichte
Letzter Teil


Die Zeit verging langsamer, als Julia es aus ihrem Berliner Leben gewohnt war.

Der Gips bestimmte den Rhythmus der Tage. Sein Gewicht, das sie jedes Mal neu überraschte, wenn sie versuchte, sich im Bett umzudrehen. Das dumpfe Geräusch, wenn er gegen den Türrahmen stieß. Die Art, wie er Wärme speicherte und zugleich jede Bewegung begrenzte. Morgens brauchte sie Zeit, um wirklich wach zu werden, abends noch länger, um zur Ruhe zu kommen.

Sie blieb bei ihren Eltern. Alles andere wäre im Moment schlicht nicht möglich gewesen. Ihre Arbeit hatte sie informiert – überraschend unkompliziert, überraschend verständnisvoll. Berlin fühlte sich weit weg an. In ihrer Wohnung lag noch alles so, wie sie es vor Weihnachten verlassen hatte. Niemand hatte einen Schlüssel. Sie selbst konnte unmöglich hinfahren, um Kleidung oder Dinge des Alltags zu holen.

Also bestellte sie online. Viel. Zu viel. Bequeme Hosen, kuschelige Pullover, lange Strickjacken. Chrissi brachte ihr zusätzlich ein paar Kleidungsstücke vorbei, mit einem Schulterzucken und dem Kommentar, dass man sowas ja schließlich teilen könne.

Im Haus ihrer Eltern lernte Julia, sich neu zu bewegen. Mit Krücken. Mit Pausen. Mit der ständigen Aufmerksamkeit für den Raum um sie herum. Der Gips zwang sie zur Langsamkeit, und so sehr sie sich manchmal darüber ärgerte, so oft ertappte sie sich auch dabei, dass sie diese Langsamkeit hinnahm. Nicht gern, aber widerstandslos.

Schmerzen hatte sie noch, vor allem nachts. Tagsüber war es eher ein Ziehen, ein dumpfes Erinnern. Ihr Bein fühlte sich an, als gehöre es nur halb zu ihr. Gleichzeitig war der Gips so präsent, so eindeutig, dass er ihr eine seltsame Sicherheit gab. Er hielt. Er begrenzte. Er verlangte nichts außer Geduld.

Toni hatte sie in dieser Woche nur kurz gesehen. Ein paar Nachrichten. Ein kurzes Treffen im Krankenhausflur, beiläufig, bevor sie entlassen worden war. Er arbeitete viel, hatte Bereitschaftsdienste, Schichten, die sich über die Feiertage zogen. Sie hatten nichts fest ausgemacht. Kein Datum, kein Versprechen. Nur dieses stille Wissen, dass sie sich wiedersehen wollten – irgendwann.

Der 31. Dezember kam trotzdem schneller als gedacht.

Julias Eltern machten sich am frühen Abend fertig. Sie waren bei Tante Jutta eingeladen, die jedes Jahr eine kleine Feier mit Freunden und Nachbarn veranstaltete. Sie hatten Julia gefragt, ob sie mitkommen wolle. Sie hatte den Kopf geschüttelt. Es war zu viel. Zu laut. Zu umständlich. Ihre Mutter bot an, bei ihr zuhause zu bleiben, doch Julia war froh, ihre Ruhe zu haben.

Als die Haustür hinter ihnen ins Schloss fiel, wurde es still im Haus.

Julia saß im Wohnzimmer, das Bein hochgelegt, der Gips schwer auf mehrere Kissen gebettet. Im Fernsehen lief ein alter Film, den sie nur halb verfolgte. Draußen hörte man vereinzelt Böller. Sie dachte an Berlin, die Partys, an all das, was sie normalerweise jetzt getan hätte – und stellte überrascht fest, dass sie es nicht vermisste. Sie döste ein.

Es klingelte.

Julia schreckte hoch. Hatten ihre Eltern den Schlüssel vergessen? Doch ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass es halb 12 war. Vorsichtig stand sie auf, griff nach ihren Krücken und bewegte sich langsam zur Tür.

Als sie öffnete, stand Toni draußen.

Er trug eine dicke Jacke, die Haare noch leicht zerzaust, als wäre er gerade erst aus dem Krankenhaus gekommen. In der Hand hielt er eine kleine Tüte.

„Hi“, sagte er. „Ich hoffe, das ist okay.“

Julia starrte ihn an. „Du…musst du nicht arbeiten?“

Er lächelte. „Hab die Schicht getauscht. Ich hatte noch was gut bei meinem Kollegen.“

Sie trat einen Schritt zur Seite, ließ ihn hinein. Er zog die Jacke aus, sah sich einen Moment um – das vertraute Haus, der ungewohnte Kontext, der Gips.

„Wie geht’s dir?“, fragte er.

„Geht“, antwortete sie ehrlich. „Und dir?“

„Besser, jetzt.“

Sie setzten sich aufs Sofa, Julia legte ihr Bein wieder auf ihren Kissenhaufen. Toni stellte die Tüte auf den Couchtisch. Drinnen war eine Flasche Sekt und ein paar Snacks.

Die Minuten bis Mitternacht vergingen leise. Sie redeten nicht viel. Sie mussten nichts erklären. Ab und zu sah Toni zu ihrem Bein, nicht besorgt, eher aufmerksam. Julia merkte, wie selbstverständlich der Gips zwischen ihnen wurde. Kein Thema, kein Hindernis.

Als draußen das Feuerwerk begann, traten sie ans Fenster. Farben spiegelten sich im Glas, explodierten lautlos aus dieser Perspektive. Julia lehnte sich leicht an ihn, vorsichtig, tastend. Er legte den Arm um ihre Schultern, ganz selbstverständlich.

Als die Uhr Mitternacht schlug, drehte er sich zu ihr.

„Frohes neues Jahr“, sagte er leise.

Julia sah zu ihm hoch. „Dir auch.“

Der Kuss kam ohne Eile. Ohne Überraschung. Sanft. Warm. Für einen Moment vergaß sie den Gips. Oder vielleicht war er einfach nur Teil von allem.

Draußen krachte das Feuerwerk weiter.

Drinnen standen sie still.

Was die Zukunft bringen würde, wussten sie beide nicht. Doch vieles war möglich, und genau das fühlte sich gut an.

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HOME SWEET HOME
A Christmas Cast Story
Last Part

Time passed more slowly than Julia was used to in her life in Berlin.

The cast determined the rhythm of her days. Its weight, which surprised her every time she tried to turn over in bed. The dull thud when it bumped against the doorframe. The way it stored heat and at the same time restricted every movement. In the mornings, she needed time to really wake up, and in the evenings, even longer to calm down.

She stayed with her parents. Anything else would simply not have been possible at the moment. She had informed her work. Surprisingly uncomplicated, surprisingly understanding. Berlin felt far away. In her apartment, everything was still as she had left it before Christmas. No one had a key. She couldn't possibly go there herself to get clothes or everyday items.

So she ordered online. A lot. Too much. Comfortable pants, cozy sweaters, long cardigans. Chrissi brought her a few extra items of clothing, shrugging her shoulders and commenting that, after all, you could share things like that.

At her parents' house, Julia learned to move in a new way. With crutches. With breaks. With constant attention to the space around her. The cast forced her to slow down, and as much as it sometimes annoyed her, she often found herself accepting this slowness. Not willingly, but without resistance.

She still had pain, especially at night. During the day, it was more of a pulling sensation, a dull reminder. Her leg felt as if it only half belonged to her. At the same time, the cast was so present, so obvious, that it gave her a strange sense of security. It held. It limited. It demanded nothing but patience.

She had only seen Toni briefly that week. A few messages. A quick meeting in the hospital corridor, casual, before she was discharged. He worked a lot, was on call, had shifts that stretched over the holidays. They hadn't made any firm plans. No date, no promises. Just this quiet knowledge that they wanted to see each other again – sometime.

December 31 came faster than expected anyway.

Julia's parents got ready in the early evening. They were invited to Aunt Jutta's, who hosted a small party with friends and neighbors every year. They had asked Julia if she wanted to come along. She had shaken her head. It was too much. Too loud. Too complicated. Her mother offered to stay with her at home, but Julia was glad to have her peace and quiet.

When the front door closed behind them, the house fell silent.

Julia sat in the living room with her leg elevated, the cast resting heavily on several pillows. An old movie was playing on TV, which she only half watched. Outside, she could hear occasional firecracker. She thought of Berlin, the parties, everything she would normally be doing right now, and was surprised to find that she didn't miss it. She dozed off.

The doorbell rang.

Julia jumped up. Had her parents forgotten their keys? But a glance at the clock told her it was half past eleven. She carefully got up, grabbed her crutches, and slowly made her way to the door.

When she opened it, Toni was standing outside.

He was wearing a thick jacket, his hair still slightly tousled, as if he had just come from the hospital. He was holding a small bag in his hand.

“Hi,” he said. “I hope this is okay.”

Julia stared at him. “Don't you have to work?”

He smiled. “I swapped shifts. A colleague owed me a favor.”

She stepped aside and let him in. He took off his jacket and looked around for a moment—the familiar house, the unfamiliar context, the cast.

“How are you?” he asked.

“Okay,” she replied honestly. “And you?”

“Better now.”

They sat down on the sofa, Julia put her leg back on her pile of pillows. Toni put the bag on the coffee table. Inside was a bottle of sparkling wine and a few snacks.

The minutes until midnight passed quietly. They didn't talk much. They didn't need to explain anything. Every now and then, Toni glanced at her leg, not with concern, but rather with attentiveness. Julia noticed how natural the cast had become between them. It wasn't an issue, nor was it an obstacle.

When the fireworks began outside, they stepped up to the window. Colors reflected in the glass, exploding silently from this perspective. Julia leaned on her crutches and at the same time leaned lightly against him, cautiously, tentatively. He put his arm around her shoulders, quite naturally.

When the clock struck midnight, he turned to her.

“Happy New Year,” he said quietly.

Julia looked up at him. “You too.”

The kiss came without haste. Without surprise. Gentle. Warm. For a moment, she forgot about the cast. Or maybe it was just part of everything.

Outside, the fireworks continued to crash.

Inside, they stood still.

Neither of them knew what the future would bring. But many things were possible, and that felt good.

Advent Calendar – December 23

Comments

Eine schöne Geschichte war das 😀 Sehr schick waren auch die Figurenbeschreibung und ihre Empfindungen samt Entwicklung. Wünsche dir frohe Weihnachten und schöne Festtage 🎅

CC

Tolle Geschichte, liebe Alexa! Jetzt wäre eine Verfilmung der Geschichte cool, dann wüsste ich, ob "mein Kopfkino" mit deinem überein stimmt😉 🥰😘

Smart_74


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