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Der Wanderunfall (2) DEUTSCH

Kathi rennt los. Hoffentlich trifft sie jemanden, der helfen kann! Das Handy hat immer noch keinen Empfang. Schon nach kurzer Strecke wird Kathi langsamer und muss Pause machen. Obendrein drückt ihr Schuh, wahrscheinlich eine Blase. Als sie verschnauft, hört sie plötzlich Autos. Eine Straße? Das sah in der Wanderkarte nicht so aus, aber vielleicht waren sie wirklich vom Weg abgekommen. Wenn es jetzt aber Hilfe bedeutete, umso besser!
Der Waldweg mündet tatsächlich in einem kleinen Parkplatz. Dort steht nur ein einziges Auto und daneben ein freundlich wirkendes älteres Paar in Wanderkleidung.





„Hallo, entschuldigen Sie“, ruft Kathi schon von Weitem, komplett außer Atem. „Können Sie mir vielleicht helfen? Meine Freundin ist umgeknickt und hat sich vielleicht den Knöchel verstaucht. Mein Handy hat keinen Empfang und ich kann keinen Krankenwagen rufen…“
„Oje“, sagt die Frau am Auto. „Das ist mir vor ein paar Jahren auch mal passiert. Hans, in Burgstadt gibt’s doch ein Krankenhaus, oder? Da könnten wir die beiden doch absetzen?“, fragt sie an ihren Mann gewandt. „Ja, da ist ein Krankenhaus“, bestätigt er. 
„Wie weit von hier ist es denn bis zu Ihrer Freundin? Ich kann mit Ihnen kommen, wir bringen sie zum Auto und setzen Sie beide beim Krankenhaus ab. Wir wollen sowieso nach Burgstadt.“
„Das ist echt lieb von Ihnen!“ Kathi ist erleichtert. „Sie ist nur ca. 5 Minuten von hier.“

Zusammen mit dem Mann eilt sie zurück zu Hannah, während die Frau am Auto wartet. Sie nehmen Hannah zwischen sich, sodass diese ihren verletzten Fuß kaum belasten muss und bringen sie zum Auto.
Hannahs Knöchel ist inzwischen stark geschwollen und bläulich verfärbt. Als sie beim Einsteigen auf die Rückbank des Autos damit leicht anstößt, wird ihr schwindelig vor Schmerzen. Sie fühlt sich richtig elend. Seit Wochen hatte sie sich schon auf den Mini-Urlaub mit ihrer besten Freundin gefreut und jetzt ist alles schon am ersten Tag ruiniert. Wie kann man so ein Pech haben?
Die Fahrt nach Burgstadt dauert zum Glück nur zehn Minuten. Sie halten direkt vor dem Eingang des kleinen Krankenhauses. Kathi hilft Hannah beim Aussteigen. Die beiden bedanken sich nochmal bei dem netten Paar. „Ich drücke Ihnen die Daumen, dass der Knöchel nicht gebrochen ist!“, sagt die Frau. 

Hannah humpelt auf Kathi gestützt zur Anmeldung. Anschließend sollen die beiden im Wartebereich Platz nehmen. Hannah fühlt sich ganz flau und Kathi holt ihr einen Becher Wasser. Zum Glück ist gerade nicht viel los und die beiden werden schon kurz darauf in ein Behandlungszimmer gerufen. Die junge Ärztin wirkt recht kühl. Sie befragt Hannah zum Unfallhergang und schaut sich dann den Knöchel genau an. „Tut das weh?“, fragt sie und bewegt Hannahs Fuß leicht vor und zurück. Hannah verzieht das Gesicht. „Ja, schon, aber es geht noch.“
Als die Ärztin eine seitliche Bewegung des Fußes andeutet, schreit Hannah leicht auf. „Das geht gar nicht!“ Hannah hält während der Untersuchung Kathis Hand und zerquetscht sie fast.
„Wir machen ein Röntgenbild, um ganz sicher zu sein“, sagt die Ärztin. „Sie können kurz hier warten, ich schicke Ihnen jemand mit einem Rollstuhl vorbei, der bringt Sie dann in den Röntgenbereich. Was ich Ihnen aber vorab schon sagen kann: in der nächsten Zeit ist absolute Ruhe angesagt, mit den Wandertouren war's das erstmal."





Ein paar Minuten später kommt auch schon ein Pfleger und hilft Hannah in den Rollstuhl. Zwei Flure weiter liefert er Kathi und Hannah an einer weiteren Anmeldung ab, wo die beiden von zwei netten Mitarbeiterinnen der Röntgenabteilung bereits erwartet werden. Die eine richtet den Röntgenapparat ein, während die andere Hannah vom Rollstuhl auf den Untersuchungstisch bugsiert und ihr Bein dort positioniert. Es werden Aufnahmen von beiden Seiten des Knöchels gemacht. Anschließend wird Hannah wieder in den Rollstuhl gesetzt und Kathi fährt sie in den Wartebereich vor der Röntgenabteilung. „Willst du was essen?“, fragt Kathi, die sich ihren und Hannahs Wanderrucksäcke über die Schulter gehängt hat. „Nee, mir ist irgendwie immer noch schlecht.“, murmelt Hannah. „So eine blöde Scheiße!“

Die beiden müssen eine Weile warten. Kathi versucht Hannah aufzumuntern, aber die ist ganz still und hat keine Lust zu reden. Endlich kommt ein beschwingt wirkender Arzt um die Ecke. „Frau Becker? Ich habe mir gerade Ihre Röntgenaufnahmen angesehen. Das sieht gut aus!“, sagt er fast vergnügt. Hannah wirkt plötzlich wieder ganz wach. „Echt? Dann ist also nix gebrochen und wir können gehen?“, fragt sie aufgeregt. Der Arzt nickt fröhlich. „Ganz genau! Es ist nichts gebrochen, lediglich verstaucht. Und Sie haben einen Bänderriss. Jetzt gibt’s einen schönen Gipsverband und DANN können Sie gehen. An Krücken, versteht sich.“ Hannah und Kathi schauen erst einander, dann den Arzt entgeistert an. Damit haben sie nicht gerechnet.

Im dritten und hoffentlich letzten Behandlungsraum des Tages sitzt Hannah auf einer erhöhten Behandlungsliege. Unter das verletzte Bein hat der Arzt ein Polster geschoben, den verletzten Fuß lässt Hannah nach unten hängen und davor sitzt der Arzt auf einem Hocker. Kathi schaut von einem Stuhl aus zu. Der Unterschenkel ist bereits mit weißer Polsterwatte umwickelt. „Sie müssen bitte den Fuß im rechten Winkel halten.“, mahnt der Arzt und holt einen Karton aus einem Schränkchen neben sich. „Wie wäre es denn mit einem roten Gips? Oder vielleicht orange?“ Kathi steht auf und schaut über seine Schulter in den Materialkarton. „Ich würde orange nehmen“, sagt sie aufmunternd zu Hannah. „Das leuchtet bestimmt richtig schön!“ Hannah nickt, ihr ist aber eigentlich alles egal. Sie ist todmüde und will einfach nur raus aus diesem Krankenhaus. Der Arzt macht sich weiterhin gut gelaunt ans Werk und öffnet die erste Packung Gipsmaterial. „Ich mache Ihnen eine schöne Zehenplatte. Dann ist alles gut geschützt!“

Nach 20 Minuten betrachtet er zufrieden sein Werk. „Wunderbar! Zu schade, aber in ca. 4 Wochen sind Sie den Gips wieder los. Bitte setzen Sie sich zuhause mit Ihrem Hausarzt in Verbindung, um alles weitere zu besprechen. Fast hätte ich’s vergessen, ich hole Ihnen noch ein Paar Krücken!“
Geschäftig eilt er aus dem Zimmer. Kathi zieht eine Augenbraue hoch. „Zu schade dass du den Gips nur vier Wochen trägst?“ wiederholt sie zweifelnd. „Naja, es sieht aber wirklich ganz cool aus, oder?“, versucht Kathi ihre Freundin aufzuheitern. Hannah schaut hinunter auf ihren Gipsfuß. „Ich weiß nicht…“
Nachdem der Arzt Hannah die Krücken überreicht hat, machen sich die beiden auf den Weg. Kathi ruft ein Taxi und kurz darauf erreichen sie ihre Ferienwohnung. Was für ein langer Tag! Inzwischen ist es Abend geworden. Kathi hilft Hannah, sich umzuziehen und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen, wo Hannah tief und fest einschläft.

(Die weiteren Episoden gibt's wie gewohnt in Form von Videos und Fotos.)

Comments

Schöne Geschichte, jedoch enttäuscht gerade das KI Bild mit Leas Kopf drauf. Der Fuß sieht arg komisch aus. Wann gibt es richtige Fotos und ein neues Video?

David Jung

Eine Arbeitskollegin, eine andere kaufmännische Auszubildende, zog sich im August 1987 einen Bänderriss am linken Fuß zu. Sie wurde ebenfalls operiert. Ich sah sie einmal mit Unterschenkelliegegips an Krücken. Sie trug eine Socke über den Gips. Im September und Oktober 1987 sah ich sie mit einem Unterschenkelgehgips mit einer Galosche. Sie trug einen abgeschnittene Tennissocke vorne über die Zehen in der Galosche. Mit der Galosche rollte sie ab und ging ohne Krücken.

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