Warm vergorene Lager kennt ihr ja - z.B. das klassische California Common. Hier ist es aber das Ziel, die Ester Aromen und somit den Ale Charakter ins Lager zu bekommen. Man schafft also eine neue Kombination aus schlankem Körper mit Ale Aromatik.
Möchte man aber jetzt ein ganz klassisches cleanes Pils haben, dann gilt die Regel: Kalt vergären!
Fermentis hat in einem Vortrag behauptet, dass man ihre klassische W34/70 auch warm vergären kann und trotzdem ein cleanes Lager bekommt.
Das habe ich einmal ausprobiert und ich muss sagen, dass das Ergebnis erstaunlich gut ist. Ich wage es nicht zu behaupten da irgendwelche Ester herauszuschmecken.
Aber es ist nicht nur die Gärtemperatur, sondern allgemein wurden einige eingespielte Konzepte für die Hefe W34/70 über den Haufen geworfen.
Kein rehydrieren, sondern einfach aufstreuen
Bei 20°C anstellen
Hauptgärung bei 18°C (konstant, also mit Gärführung)
Anstellmenge wie beim Kaltvergären (°P x Liter)
Wie gesagt, sind wir von dem Ergebnis extrem überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass es so clean wird. Mein Braukumpel sagte, er vergärt nie wieder kalt ;-)
Ganz so euphorisch bin ich aber nicht - Nur, weil die Gärung warm ist und dadurch nach 7 Tagen durch war, bedeutet das nicht, dass das Bier schneller fertig ist.
Meine Version brauchte ebenfalls 2 Monate Lagerzeit und auch nicht weniger Anstellhefe. Man spart sich also das Herunterkühlen und eine Woche Wartezeit. Daher muss jeder selbst schauen, ob es das Wert ist.
Das Bier ist auf jeden Fall extrem lecker geworden und kann ich nur jedem Empfehlen! Schmeckt kaltvergoren bestimmt genau so gut :-)
Rezept: https://share.brewfather.app/Oy8bB1ysrRteTr